11.12.2007

Was bisher geschah, oder: Die lange Geschichte in möglichst wenigen Worten

Juli 2007

IMAGE_181_1.jpgIn den VDI nachrichten entdecke ich eine relativ unscheinbare Stellenanzeige im 9×13-Format. Was hängen bleibt: “Industrial Engineer für EU-Markenamt in Alicante gesucht – Erfahrung im Dienstleistungsbereich erwünscht”. Hm, klingt passend, schließlich war ich doch die letzten vier Jahre im Bereich Industrial Engineering/Systems Engineering am IAD der TU Darmstadt tätig. Bewerbungsschluss nächstes Wochenende. Da ich ohnehin gerade auf Jobsuche bin, bewerbe ich mich noch am gleichen Wochenende.

August 2007

Eine E-Mail aus Alicante erreicht mich im Urlaub, fast hätte ich sie in dem ganzen SPAM im Webmail-Interface übersehen. Personalabteilung – ob ich Interesse an einer Einladung zum Vorstellungsgespräch habe, irgendeine KW im September. Antwort bitte binnen 2-3 Tagen. Puh, heutzutage ist Urlaub ohne Internetzugang ein richtiges Risiko! Antwort nach Alicante: Klar will ich.

Reaktion ein paar Tage später: Terminvorschlag für den 12. September, bitte um Bestätigung binnen zwei bis drei Tagen (es war exakter, ich weiß es aber nicht mehr so genau). Antwort: Klar komme ich. Reaktion: Formelles Einladungsschreiben, Reisekostenabrechnungsformular, Performance Management Unit Charter (auf Spanisch), Hotelliste. Die Flug- und Hotelsucherei geht los. Gut, dass ich Internet habe. Gut, dass es Google Maps und Google Earth gibt.

September 2007

Vorstellungsgespräch. Hinflug am 11. September. Irgendwie immer noch ein seltsames Datum, um zu fliegen. Umstieg in Madrid mitten in der Nacht. Iberia hat stark nachgelassen auf den großen Strecken – einstmals hat die der Lufthansa das Fürchten gelehrt, jetzt konkurriert sie scheinbar mit Ryanair und Co. Aber egal. Abstieg im Etap-Hotel, mehr ist bei dem knappen Tagessatz nicht drin. Bin ja schließlich noch BAT IIa. ;-) Immerhin liegt es dem Office “zu Füßen”.

Im Etap Alicante am frühen MorgenDer nächste Morgen – Blick aus dem Hotelzimmer auf Palmen. Sehr schön. Das Office bei Tageslicht. Beeindruckend. Das Frühstück – irgendwo, nur nicht im Etap! Es wird hier doch wohl ein Café geben? Gibt es nicht. Au weia. Na, dann eben hungrig zum Vorstellungsgespräch. Empfangen werde ich, nachdem ich durch die Sicherheitsschleusen durch bin, erstmal auf Deutsch. Bei aller Nervosität beruhigt das erst einmal. Papierkram ist zu erledigen: Zeugniskopien mit Originalen vergleichen und gegenzeichnen, Reisekostenabrechnung abgeben. Bordkarten müssen nachgereicht werden. Ok.

Das Office vom Hotelparkplatz ausDas Gespräch: Ein Ablauf wie im Film. Das “selection committe” hat sich zwar namentlich vorgestellt, aber natürlich vergesse ich das alles praktisch sofort wieder. Ich erzähle von meinen Projekten aus prozessgestalterischer Sicht. Ich habe natürlich nicht nur Prozesse gemacht, aber ich habe stets Systemgestaltung betrieben. Bahn, Flugsicherung, Gillette, Eppendorf, Peguform. Erfahrung mit Datenformaten und nutzerorientierter Gestaltung, Change Management und innerbetriebliche Konflikte. Das Wort “Wertstromanalyse” fällt mir partout nicht ein – ist ja auch schon ein wenig her.

IMAGE_096_1.jpgMan erzählt mir, was man von mir erwartet – mein Interesse an dem Job wächst. Mehr als 100.000 Anträge jährlich im elektronischen Workflow – mit nur ein paar hundert Leuten. Wow. Ich gebe noch ein paar Ideen ab, wie man die Performance erfassen könnte, mein Spanisch wird mit einige Sätzen gestestet, das war’s.

IMAGE_095_1.jpgEndlich Mittagspause, eine Art Brunch in meinem Fall. Mitte September, reichlich über 20 Grad, Meerblick von der Kantinenterasse. Wow. Eines wird langsam klar: Hier will ich hin. Daumen drücken.


Oktober 2007

Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben – über drei Wochen Reaktionszeit, das konnte nichts Gutes heißen. Egal, weiter bewerben, jetzt kommt der Herbstmarathon. Dann, am fünften Oktober auf dem Weg zur Arbeit: Anruf aus Alicante. “You have been placed on top of the reserve list. Please confirm.” Wow. Anruf dort, eine gefasste Bestätigung des Erhalts der E-Mail und aller Unterlagen. “But, aren’t you happy?” Natürlich bin ich froh, nur auch ein wenig geschockt.

Organisationszeit. Flug zur Einstellungsuntersuchung buchen, Hotel dazu – wir bleiben ein ganzes, langes Wochenende. So
können wir uns auch gleich mal die Stadt anschauen, die ich zum Interview nur am Horizont gesehen habe. Gleichzeitig Chef informieren, Kündigungsfrist klären, Übergaben planen. Es wird knapp – die Fachabteilung will mich am liebsten binnen 10 Tagen, die Personalabteilung gibt mir bis Anfang November. Wir einigen uns auf Mitte November. Das muss reichen.

Erste Besuchstage in Alicante: Tolles Wetter, nettes Flair, teils furchtbare Bausünden – einige Hochhäuser direkt am Meer, oft alt und unansehnlich. Aber es gibt teilweise auch wirklich hübsche Ecken. Die Leute auf der Straße sind allesamt hilfsbereit und nett, auch wenn man natürlich meist nur auf Spanisch weiterkommt. Die europäische Schule beeindruckt und schreckt ab, was an ihren Sicherheitkonzept liegt. Definitiv anders als in Deutschland, verschult ab dem 4. Lebensjahr. Aber auch hier nette, hilfsbereite Personen. Die Einstellungsuntersuchung geht trotz heraufziehender Erkältung und allerlei Verstopfungen im Kopf in Ordnung, auf die Ergebnisse des Hörtests würde ich allerdings nichts geben. Ich soll mich auskurieren, rät man mir. Danke, aber dafür werde ich leider nur wenig Zeit haben. Rückflug (wie der Hinflug) mit Air Berlin. Sorry, Iberia, aber hier hat euch ein Billigflieger im Service überholt! Noch dazu ein Direktflug, was will man mehr?

November 2007

Dienstantritt. Ich fliege vor, mein Vater fährt mir das mit Kleidung, meinem Rechner, einer Mikrowelle und Senseo-Kaffeemaschine vollgestopfte Auto hinterher – genauer gesagt holt er mich (zusammen mit dem Relocation Service) am Flughafen ab. Ich bin froh, dass er da ist. Es ist Donnerstag, der 15. Oktober, am nächsten Morgen geht es los. Vorher aber eine ausgiebige Stadtrundfahrt, besonders durch die zur Ansiedlung für uns interessanten Ecken von Alicante. Kontoeröffnung. Versammte Axt, ich habe alles dabei (inklusive Geburtsurkunden!), nur nicht meinen Reisepass. Aber egal, es wird auch mit dem Personalausweis gelöst. Erste Hausbesichtigung – sehr nett. Blick aufs Meer von einer kleinen Schlafzimmer-Terasse aus. Sehr hübsch. Zum Glück schaffen wir es am Abend noch, Passbilder zu machen und meinen Laufzettel für den ersten Arbeitstag auszudrucken.

Die erste Station – Ausweiserstellung. Ein Digitalfoto, das auch ins Intranet kommt (ist zum Glück ganz gut geworden), ein Aufkleber für die Windschutzscheibe. Ab sofort darf ich in der Tiefgarage parken. Dann in den weiteren Stationen Papierkram, was sonst. VIEL Papierkram. Und Erklärungen zu den wichtigsten Intranet-Funktionen: Ineed und time management – in anderen Worten: Bestellungen und Stechuhr. Insbesondere der Ergonomie-Ineed interessiert mich. :-) So, an Weihnachten brauche ich keinen Urlaub zu nehmen, weil wir zu haben? Wow.

Der Nachmittag beginnt in der Fachabteilung. Ich bekomme mein Büro – Meerblick, jawoll! :-D Ich werde herumgeführt, nachdem alle da sind. Viel zu viele Namen und Gesichter. Es wird ein langer Tag, da mein neuer Chef in einer langen Besprechung ist. Viel Zeit, das Internet zu durchforsten. Es gibt viel zu tun, wie immer an einem neuen Arbeitsplatz.

Das folgende Wochenende verbringe ich mit meinem Vater in der Gegend. Am Samstag besuchen wir Burg und Palmengarten in Alicante (sehr schön!), am Sonntag Verwandte im nahen Calpe. Eine viel “deutschere” Stadt der Costa Blanca, aber auch sehr schön. Ziemliche Verwüstungsspuren von der September-Sturmflut – in Alicante war davon schon im Oktober nichts mehr zu sehen gewesen.

Montags drauf wird es ernst. Ab sofort bin ich auf mich allein gestellt. Ab sofort beginnt mein Blog – naja, fast! ;-) Aber damit möchte ich diesen Teil der Geschichte erstmal abschließen.

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