5.01.2008

Geschriebene und ungeschriebene Gesetze im spanischen Kreisverkehr

Kreisverkehr-AnimationHeute habe ich etwas gelernt über den spanischen Straßenverkehr. Glaube ich zumindest. :-) Schon letzte Woche war ich drauf und dran, einen Kommentar darüber zu bloggen, nachdem ich unberechtigt angehupt wurde, aber da wusste ich nur die Hälfte. Heute habe ich es dann endgültig verstanden, denke ich. Aber zurück dazu, wie alles begann:

Letzte Woche war ich in einem der vielen mehrspurigen Kreisverkehre dieser Stadt unterwegs – auf dem Außenkreisel. Irgendwo halb hinter mir auf dem Innenkreisel war ein einheimischer Verkehrsteilnehmer. Ich hatte mich gerade wieder mal ein wenig verfahren (das TomTom bleibt aus Stolz die meiste Zeit aus), also musste ich die volle Runde drehen. Das hatte der gute Mensch hinter mir nicht erwartet, und wäre mir fast reingerauscht. Also hupte er und regte sich auf – ok, das ist sein gutes Recht, aber er hätte mir den Kotflügel bezahlen müssen. ;-)

Schon Wochen davor hatte ich beobachtet, wie Autofahrer auf den in der Regel zweispurigen Einfahren in die Kreisel auch dann stehenbleiben, wenn sie auf der rechten Spur (also auf den Außenkreisel) einfahren wollen, obwohl sich der vorfahrtsberechtigte Verkehr nur in dem/den Innenkreisel(n) bewegte. Das hatte ich zunächst wiederum auf das allgemein lahme entspannte Anfahrverhalten zurückgeführt, dass ich in einem früheren Beitrag schon einmal beschrieben habe. Entsprechend bin ich heute auf so eine freie Spur eingefahren – und wurde prompt wieder angehupt. Die Dame regte sich richtig schön südländisch auf, nachdem sie eh schon stand – zum Glück war nicht viel los.

Was war also geschehen? Sie war auf dem Innenkreisel unterweg, und wollte eine Ausfahrt nach meiner Einfahrt raus. Zweispuriges Abbiegen aus dem Keisverkehr ist hier Usus, und sicher auch erlaubt – nur sollte man sich meiner Rechtsauffassung nach klar gegen Missverständnisse versichern, indem man dann auch blinkt. Wie das im Falle eines Unfalls ausgegangen wäre, möchte ich jetzt noch herausfinden – ob es sowas wie ein “Gewohnheitsrecht” im Straßenverkehr gibt? Sicher nicht, weil “eh keiner blinkt”, aber vielleicht, weil “normalerweise keiner reinfährt” auf seiner (freien) Spur. Ich werde mal einen Kollegen fragen – dass ist das Gute daran, in einem Amt Office voller Anwälte zu arbeiten! :-) Die Regeln in den deutschsprachigen Ländern sind übrigens in Wikipedia gut beschrieben, für Spanien muss man vermutlich einfach davon ausgehen, dass wild gewecheslt wird. Für mit verantwortlich halte ich auch das (auch in Nordspanien) sehr verbreitete “Parken in zweiter Reihe”, also auf der Fahrspur direkt neben den eigentlichen Parkplätzen. Damit wird die rechte Spur zu bestimmten Zeiten fast unbenutzbar, man fährt also links – und so auch in Kreisverkehre rein und wieder aus ihnen raus.

Aber nochmal zum Thema “Blinken und Kreisverkehr”: Der ADAC moniert die Blinkfaulheit in deutschen Kreisverkehren seit kurzem ja auch (bin jetzt zu faul, einen Link dazu rauszusuchen). Nachdem ich hier so langsam zum Kreisverkehr-Durchfahrexperten werde, und mich in der Tat bemühe, immer zu blinken, kann ich dazu nur eines sagen: Das ist machmal gar nicht so leicht! Bei kleinen Kreisverkehren muss man zwar nur die Ausfahrt anzeigen, hat aber durch die kurzen Abstände gar nicht viel Zeit, auch wirklich (wie ebenfalls in der StVO gefordert) auch eindeutig zu blinken. Dazu kommt der enge Radius mit der unangenehmen Dauer-Kurvenlage, was auch bei Servolenkung einen zusätzlichen Stabilisierungs-Kraftaufwand erfordert. Bei großen Kreisverkehren ist das weniger unangenehm, dafür muss man in diesen häufiger mal die Spur wechseln – und auch das will angezeigt werden. Zudem geht es dann auch mal nach links und mal nach rechts, eine zusätzliche sensomotorische Herausforderung.Das wäre doch fast einen Projektantrag am Bundesamt für Straßenwesen (BASt) wert! Mal sehen, wem ich das stecke – ich habe da schon so eine Idee… ;-)

UPDATE: Die spanische Wikipedia verlinkt diesen hilfreichen Blogbeitrag zum Fahren in Kreisverkehren – werde ich gleich mal lesen! Er zeigt auch, wie publik das Thema Verkehrssicherheit in Spanien ist – alle Medien sind voll von Meldungen über Verkehrstote, in einer Hauptstraße in Zaragoza (Saragossa) ist ein elektronisches Straßenschild mit “Bodycount” eingerichtet (“bis heute kamen in diesem Jahr xyz Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben”). Immerhin scheinen die zum Teil drastischen Bemühungen und die große Aufmerksamkeit zu fruchten: Dieser Tage wird berechtigterweise darüber gejubelt, dass 2007 mit rund 2700 Toten kanpp 10 % weniger Menschen ums Leben gekommen sind als noch 2006. Was das starke “Commitment” von spanischem Staat und spanischer Öffentlichkeit ausgelöst hat, würde mich ja mal interessieren – ein Rüffel aus Brüssel vielleicht, oder ein “Incentive”? Eine Halbierung der Verkehrstoten in der Union bis 2020 ist ja das Ziel, soweit ich mich erinnern kann – für Details fragt bitte Google. :-)

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