Was ein Ortswechsel notwendigerweise immer mit sich bringt, ist die Änderung des persönlichen Konsumverhaltens, sei es freiwillig oder unfreiwillig. Denn so globalisiert die Welt auch ist, es gibt (zum Glück) immer noch Unmengen an regionalen Besonderheiten. In diesem Blog widmete ich ja schon den einen oder anderen Beitrag den mir besonders auffälligen “Abweichungen” vom Gewohnten. :-)
Nichts anderes übrig bleibt einem deshalb im Moment auch noch bei der Wahl des Radiosenders im Auto. Da ich aus irgendeinem Grund auf eine Netto-Pendelzeit zwischen 40 und 60 Minuten pro Tag “gebucht” zu sein scheine – Bundeswehr, Studium und Arbeit, immer das gleiche – ist dieses Medium ziemlich entscheidend für mich. Etwas frustriert war ich deshalb von der Tatsache, dem einzig wahren Kultursender den Rücken kehren zu müssen, und mich in den regionalen Programmen orientieren zu müssen. Natürlich gibt es hier Kultursender, doch leider sind die deutlich zu sehr auf entweder spanische Klassiker und/oder reine klassische Musik fokussiert. Oder man redet das ganze Programm über, ohne jegliche musikalische Auflockerung.
Bleibt also nur die Kategorie “Kommerz” in den Geschmacksrichtungen Classic Rock & Co. und aktuelle Charts, zjmeist garniert mich reichlich Radiowerbung. Diese ist übrigens teilweise auffällig-unauffällig in den redaktionellen Content eingebaut, sodass der Moderator vom einen auf den anderen Moment im Programm plötzlich die Vorzüge eines neuen Burgers anpreist und nebenprei den Preis erwähnt – natürlich untermalt von den Co-Moderatoren (falls vorhanden) und der gesamten Jingle-Phalanx auf dem Schaltpult (Applaus, Gelächter, was weiß ich). Komische Werbegesetze, das gibt bestimmt mal Ärger mit Brüssel – aber auch darum geht es nicht.
Was mich am meisten überrascht hat war ein klitzekleines Detail – die musikalische Untermalung eines ING-Direct Werbespots (in Deutschland bekannt als ING-DiBa). “He’s got the whole world in his hands” – woran erinnert uns das? Mich erinnert es so ca. an die fünfte oder sechste Klasse im Englischunterricht. Da haben wir dann auch besprochen, dass es ein religiöses Lied ist, was uns in dem Alter aus dem Text vielleicht nicht von selbst klar geworden wäre. Zugegeben, das Lied ist unkomplziert-dudelig, und damit gut für Radiowerbung geeignet – aber wer kommt bei so einem Stück jemals darauf, es auch tatsächlich so zu verwenden? Kannte denn nicht wenigstens einer der Zuständigen dort den Text? Auch nicht-religiös würde ich den Titel nicht mit assoziativ mit einer Bank verknüpfen wollen – “he’s got the whole cash…” – a fistful of dollars? Ach, nein. ;-) Kannte denn keiner den Ursprung des Lieds? Gospel, sagt mir Google auf einen Blick. Sind wir hier im (mindestens zweit-)katholischsten Land der EU? :-D
Seltsam, seltsam, seltsam…
