18.03.2008

Spanische Kuriositäten – Scheidung im Sonderangebot und mehr

Scheidung im Angebot!Spanien heute: Anwältssozietäten werben auf Flugblättern mit Sonderangeboten – Scheidungen zum halben Preis, übrigens nur noch bis heute. Einerseits unfassbar, andererseits wirklich amüsant.

Überhaupt, Werbung – nicht nur Anwälte dürfen das offenbar, sondern auch Ärzte und Kliniken. Standesrechtliche Regeln? Pustekuchen! Fortpflanzungskliniken bitten in Radiowerbung um Solidarität – und natürlich um eine Eizellenspende (finanzieller Ausgleich richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen). Solidarität ist auch das ganz große Stichwort für Spendenaufrufe (soweit nichts neues) und Adoptionsangebote – zu denen ich allerdings zugegebenerweise noch keine Plakat- oder Radiowerbung gesehen oder gehört habe.

Dennoch, die Solidarität – die zieht also offenbar noch im katholischen Spanien, man muss sie irgendwie doch haben. Deshalb eine der höchsten Adoptionsraten weltweit, wenn nicht die höchste. Und das in einem Land, in dem “llegar a fin de mes” (wörtlich: am Ende des Monats ankommen, also noch Geld übrig haben) ein Wahlkampfthema und ein gesellschaftliches Problem ist. Kinder werden adoptiert – und dann zusammen mit den eigenen zur Tagesmutter (oder den Großeltern) gegeben, weil man ja sofort wieder arbeiten muss, um noch ein Auskommen zu haben. Abgesehen davon muss ja jeder arbeiten, jede Frau und jeder Mann sowieso. Weiterbildung ist Pflicht, fast jeder hat studiert, da muss dann öfter mal ein Auffrischungskurs dazu. Schließlich gibt es nur wenige Festanstellungen, vernünftig bezahlte noch viel weniger. Entsprechend omnipräsent ist auch die Weiterbildung in der Radiowerbung – auch Schleichwerbung dafür im sonstigen redaktionellen Programm ist übrigens nicht tabu.

Zur Miete wohnen ist furchtbar unpopulär, auch wenn es oft vergleichsweise günstig ist – entweder in der eigenen Wohnung, für die nicht selten Mondpreise verlangt werden, oder bis dahin eben bei den Eltern, wenn nötig noch bis Mitte 30 oder 40. Dann ist der Babysitter auch gleich greifbar, wie praktisch. Bei dieser Situation wundert es dann auch kaum, dass Scheidungen im Sonderangebot angeboten werden, Katholizismus hin oder her. Man macht ja auch nicht mehr, was die Eltern noch gemacht haben – schon in Deutschland gibt es diesen Trend, der sich oft auch vernünftigen Argumenten entzieht, aber in Spanien nach Franco wird es zum Exzess gelebt.

Aber Osterprozessionen und regionale Feste, da ist wieder Traditionalismus pur angesagt… Spanien, Land der Gegensätze und Land der gesellschaftlichen Herausforderungen – und das ist wohl noch vorsichtig formuliert.

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