Es muss mal wieder sein. Ich muss mich mal wieder über die in Alicante beobachteten Beispiele einer gewissen südländischen Gelassenheit auslassen. Und die teilweise ulkig erscheinenden Herangehensweisen an bestimmte Themen. Und da meine (nordspanische) Ehefrau mindestens ebenso oft über bestimmte Dinge den Kopf schüttelt wie ich, schiebe ich alles auf den Süden, nicht auf Spanien im Allgemeinen. :-)
Verkehrs- und Arbeitssicherheit sind Themen, mit denen ich noch vor Kurzem in gewissem Umfang beruflich verbandelt war. Vielleicht bin ich deshalb besonders sensibel, wenn ich Motorradfahrer sehe, die mit dem Helm unter dem Arm (!) im Berufsverkehr unterwegs sind. Um so interessanter, dass ein Accessoire niemals fehlt – die leuchtfarbene, meist neongelbe Warnweste. Aus irgendeinem, mir völlig unverständlichen Grund hat sich festgesetzt, dass diese in bestimmten Berufsgruppen nicht fehlen darf, besonders, wenn sie im Verkehr unterwegs sind. Das ist ja auch gut so, doch leider kann es so weit gehen, dass ein Motorradfahrer die Weste an, aber den Helm zu Hause hat – als ich das mit eigenen Augen gesehen habe, bin ich fast vom Glauben abgefallen.
Die Warnweste fehlt dagegen fast nie – bei Motorradfahrern ist sie optional, wenngleich empfohlen, doch Bauarbeiter und Straßenreiniger sieht man nie (und ich meine niemals) ohne. Verkehrspolizisten übrigens auch nicht, was evtl. der Grund für ihre hohe “Akzeptanz” ist. Ich halte das übrigens für sinnvoller als das beliebte Accessoire der deutschen Polizisten – die kugelsichere Weste. Ohne Zahlen bereit zu haben (die GDP hat übrigens scheinbar auch keine), halte ich die Gefährdung durch Fahrzeuge, die die dunkelgrünen oder -blauen Uniformen nicht rechtzeitig gesehen haben, für größer als diejenige durch Schusswaffen – zumindest, wenn wir mal im Verkehrsbereich bleiben. Aber zurück nach Spanien. :-)
Denn auch wenn Bauarbeiter meist recht bunte Kleidung tragen, verlassen sie sich doch immer noch auf die Reflexion von Umgebungs- oder Scheinwerferlicht. Selbstleuchtende Warnlampen glänzen durch auffällige Abwesenheit, von den in Deutschland allgegenwärtigen “Blitz-Pfeilen” ganz zu schweigen – bestenfalls Arbeitsbeleuchtung kann man antreffen. Doch auch die hilft dem armen Kerl, der dem Verkehr in seiner Warnweste und seiner roten Fahne entgegengeschickt wird, herzlich wenig, ist er doch meist viele hundert Meter vor dem eigentlichen Geschehen – und nicht selten spielt sich letzteres hinter Kuppen oder Kurven ab.
Was mag die Lösung für dieses Problem sein? Eine bessere Warnbeleuchtung vielleicht? Nein, das ist scheinbar nicht naheliegend genug – irgendeiner muss da vorne stehen und die rote Fahne schwenken, weil “das haben wir ja schon immer so gemacht” (offenbar einer der Lieblingssätze der traditionsbewussten Spanier). Ich darf also vorstellen – der Fahnenschwenkroboter!!! :-D
Dieser wahrlich innovative “Pappkamerad” schwenkt sein Fähnchen tatsächlich auf und ab – sonst wäre ja auch der ganze Effekt dahin. ;-) Und wie man an seiner Kleidung sieht, kann er sich wie seine Kollegen aus Fleisch und Blut kaum auf die Leuchtfarben verlassen – Spanien ist bekanntlich überwiegen staubig, und auf dem Bau erst recht. Und nun stelle man sich statt des sonnigen Aprilmorgens einen stürmisch-diesigen Novemberabend vor – und man kann sich vorstellen, wie oft mich die armen Teufel mit ihrem Fähnchen zu Beginn meiner Arbeit hier erschreckt haben. Dass es da für den einen oder anderen, der nicht durch einen “Robo-Schwenker” ersetzt wurde, auch mal zu spät war, kann man sich lebhaft vorstellen… :-(
An dieser Stelle also ein Appell an die spanische Verkehrsbehörde DGT: Ein paar weniger Radiospots schalten, und dafür viele, viele Warnleuchten kaufen – das rettet vermutlich mehr Leben. Ich werde das Vorgehen weiter kritisch begleiten.
